50 Jahre Solidarität unter Schweizern im Ausland

      50 Jahre Solidarität unter Schweizern im Ausland

      Schweizer im Ausland können sich gegen politische Risiken versichern lassen. Seit 50 Jahren schützt Soliswiss, der Solidaritätsfonds der Auslandschweizer, deren Hab und Gut gegen Existenzverlust infolge von Krieg, sozialen Unruhen, Terror oder Verstaatlichung.
      Jede zehnte Schweizerin, jeder zehnte Schweizer lebt im Ausland. Und jedes Jahr verlassen weitere 30'000 Schweizer Staatsangehörige das Land. Sie ziehen in alle Welt, auch in Länder, wo es weniger ruhig zu und her geht und das Leben weniger sicher ist als in der Schweiz.

      Doron Zimmermann, Leiter des Bereichs politische Risiken bei der Genossenschaft Soliswiss, teilt die Welt in drei Gefahrenzonen ein: "In der grünen Zone gehen wir von einer politischen Stabilität aus, in der gelben herrscht eine gewisse Labilität, die rote ist sehr dynamisch."

      Und rote Zonen, also Konfliktherde, von denen auch Schweizer Staatsangehörige betroffen waren und sind, gibt es viele: den Nordirland-Konflikt, Bürgerkriege in Algerien, Ruanda, Somalia, dann Simbabwe, wo ausländische Bauern enteignet wurden, den Krieg im Libanon und Irak, um nur einige Beispiele zu nennen.

      Komplizierte Risikolandschaft
      Oder Kolumbien: Dort wurde eine Auslandschweizer-Familie unlängst massiv bedroht und erpresst, in einer Gegend, wo die beiden Guerillagruppen FARC und ELN aktiv sind. "Zuerst sah es nach einem Fall aus, der sich nur durch kriminelle Energie auszeichnete. Nach weiteren Abklärungen in Zusammenarbeit mit externen Experten sowie dem EDA und der Schweizer Vertretung vor Ort wurde klar, dass die Erpressungsversuche den Guerilla dazu dienten, sich Waffen zu beschaffen. "Damit war die politische Komponente gegeben und Soliswiss zuständig", sagt Zimmermann.

      "Dies ist ein Beispiel, bei dem sich kriminell betriebene Erpressung und politischer Prozess überschneiden", so der Risiko-Experte. Der Fall zeige, wie sich die Konfliktformen in den letzten Jahren verändert hätten. "Seit dem Ende des Kalten Krieges erleben wir eine Zersplitterung der Risiken. Aber nicht nur die Risiken, auch unsere Betrachtungsweise hat sich verändert." Häufig seien die Zusammenhänge sehr kompliziert und schwierig zu erfassen. "Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass staatliche Akteure in irgendeiner Form offen zu einem Konflikt antreten."

      Schwierig wird die Abklärung auch bei Entführungen. Grundsätzlich zahlt Soliswiss bei Kidnapping mit Lösegeldforderungen nicht, weil es sich dabei um einen kriminellen Akt, nicht aber um ein politisches Risiko handelt. "Wenn aber eine politische Komponente dazu kommt, es um eine Entführung geht, die einen Gefangenenaustausch zum Ziel hat, dann ist Soliswiss zuständig." Vorausgesetzt natürlich, es entsteht ein nachhaltiger Existenzverlust, der nicht selbst verschuldet ist.

      Historisch bedingte Solidarität
      Die heutige Soliswiss war ursprünglich eine Selbsthilfe-Organisation, die aufgrund von Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Damals kehrten viele kriegsgeschädigte Schweizer aus Deutschland und Frankreich nach Hause. Sie hatten im Krieg alles verloren. "Der Bund hielt sich nicht für zuständig, diese Geschädigten zu kompensieren, so entstand eine gewisse Notdurft", sagt Zimmermann.

      Nach langen Diskussionen und Abklärungen stand der Bund irgendwann vor der Wahl, selber etwas für solche Krisenfälle aufzubauen, oder diese Aufgabe "nach gut eidgenössischer Tradition einem Selbsthilfewerk zu überlassen", sagt Zimmermann gegenüber swissinfo. So entstand 1958 der Solidaritätsfonds. 1962 erhielt er vom Bund eine unlimitierte Ausfallgarantie, will heissen, eine Art Rückversicherung.

      Von der Solidarität zum Schutz vor Risiken
      Bislang wurde die Ausfallgarantie des Bundes erst einmal genutzt, das war in der Dekolonialisierungsphase, die für die noch junge Genossenschaft schwierig zu bewältigen war. Damals gab es Fälle von Schweizern in Afrika, aber auch in Südamerika und Asien, die zum Beispiel infolge Verstaatlichung ohne eigenes Verschulden ihre Existenz verloren. Der Betrag wurde inzwischen von der Soliswiss wieder vollumfänglich zurückbezahlt.

      Und seither musste die Genossenschaft nie mehr auf die Ressourcen des Bundes zurückgreifen. "Wir haben Reserven geäufnet, die uns erlauben, unsere Mitglieder auch bei grösseren Ereignissen zu schützen", erklärt Doron Zimmermann.

      "Lange Zeit stand die Solidarität im Vordergrund von Soliswiss, heute ist der Schutz vor Risiken relevanter geworden", betont der Experte. Die Solidarität greift aber noch immer: Ob ein Schweizer im sicheren Finnland oder aber in Pakistan oder Irak lebt, wo Gewalt und Terror alltäglich sind, die Prämien sind für alle gleich.

      swissinfo, Gaby Ochsenbein


      Quelle


      Webseite Soliswiss:
      http://www.soliswiss.ch/