Eine traurige Geschichte

      Eine traurige Geschichte

      Vor gut einem Jahr zog neben uns eine kleine haitianische Falilie mit 2 Buben im Alter von 4 und 7 Jahren ein. Es war eine sehr arme Familie und der Vater arbeitete als Gelegenheitsarbeiter auf verschiedenen Baustellen, die Mutter sammelte auf dem Muellplatz alte Kleidung, die sie wusch um sie wieder zu verkaufen.
      Die Kinder waren des oefteren sich selbst ueberlassen und spielten ,wie alle anderen Kinder, auf einem nahegelegenen Grundstueck auf dem sich ein grosses Gebaeude befand das von Juan Muebles als Lager genutzt wurde.
      Der Kleinere von beiden war etwas schuechtern und jedesmal wenn er mich sah lachte er und versteckte sich vor mir.
      Doch mit der Zeit wurde er etwas zutraulicher und kam auch in meine Wohnung um sich die Bilder eines Buches anzusehen das ueber Natur und Tiere handelte.
      Er war begeistert von den vielen bunten Bildern und den Tieren die er nicht kannte, das ich mir vornahm, falls er mit seiner Familie wieder weiterziehen sollte, ihm dieses zu schenken.
      Alles was bunt und schoen war weckte sofort sein Interesse und er versuchte sich mit mir zu unterhalten. Seltsamer Weise funktionierte das auch obwohl er Creol und ich deutsch-spanisch mit ihm sprach , irgendwie verstand er was ich versuchte ihm zu sagen.

      Dann kam dieser verhaengnisvolle Tag der das Leben dieses kleinen Jungen fuer immer veraendern sollte.
      Es war NAchmittags gegen 4 und ich sah meinem Mann zu wie er Platanos pflanzte als der Kleine ploetzlich hinter mir stand, seine Hose runterlies und unmittelbat neben mir Pipi machte!
      Er lachte und rannte davon ,ich hinter ihm her denn ich wollte ihn schimpfen.Als ich ihn dann einholte sah er mich mit seinen grossen braunen Augen an und lachte wieder .Ich konnte nicht anders und musste auch lachen.
      Ich ging wieder zurueck zu meinem Mann und keine 10 Minuten spaeter sah ich wie sich eine Gruppe von Maennern sammelte und den Kleinen auf einen LKW luden und davonrasten.
      Nach und nach erfuhr ich das der Fahrer des LKW von Juan Muebles den Jungen beim zuruecksetzen nicht gesehen hatten und ihn mit der Stossstange am Kopf verletzte.
      Er war sofort bewusstlos.

      Aus allen Ecken kamen Haitianer gerannt und sammelten Geld fuer das Kind, denn mit der Untersuchung und der Behandlung wurde erst begonnen wenn 4000 Pesos bezahlt wurden.
      Als das Geld beisammen war fuhr der Vater wieder ins Krankenhaus und kurze Zeit darauf wurde der Bub nach Santjago gebracht.
      Auf dem Weg dorthin hiel der Krankenwagen kurz an um die Mutter mitzunehmen. Ich konnte einen kurzen Blick in den Krankenwagen werfen und da sah ich ihn liegen, klein ,zerbrechlich und mit einer Mullbinde um die Augen.

      Nach 3 Tagen endlich die langersehnte Meldung , der Junge lebte aber war blind!

      Eine Operation zur eventellen Wiederherstellung des Sehvermoegens haette Unsummen gekostet und somit wandt sich der Vater des Jungen an das Unternehmen des Unfallverursachers.
      Die gaben ihm 5000 Peso und damit war die Sache fuer die Firma erledigt, wobei nach allgemeiner Auffassung der Fahrer die Schuld am Unfall trug.
      Als der Junge aus dem Krankenhaus entlassen wurde beschloss die Familie wieder nach Haiti zurueck zu gehen. Bei ihrer Abreise dachte ich wieder an das Buch das ich ihm schenken wollte und daran das seine Welt nun immer dunkel bleiben wuerde und er niemals mehr die bunten Bilder sehen koennte die er so gemocht hat.
      Hallo, diese Geschichte ist einfach nur traurig...habe selbst einen Jungen von 6 Jahren!
      Wenn irgendein Anwalt hier im Forum(!!!!) "Manns" genug oder hier wohl besser "Frau" genug ist, hilft die Kanzlei hier gratis, um dem Jungen das Augenlicht zurückzugeben.....gegen die Firma als Ganzes (der Fahrer ist auch nur ein "armes Schwein") muss hier vorgegangen werden. ---Betroffenes Schweigen..............
      Dies sind die Erlebnisse welche das Leben im Paradies betrüben. Man wird auf einmal mit der ganzen Barbarei getroffen.

      Wäre dies ein Kind aus wohlhabender Familie, man hätte sicher anders gehandelt. Ob das Augenlicht wieder gewonnen wäre, keine Ahnung. Aber man wird wieder einmal mit der Tatsache konfrontriert: Du Ausländer - Du nix!
      Haitianer gleich Null Chance, der Gringo darf vorher noch bei Anwälten Geld zahlen um am Ende auch keine Chance zu haben.

      Firmen sind hier immer wieder unangreifbar. Und das denke ich, kann nicht RECHT sein.
      Egal ob der Fahrer einen Jungen anfährt oder der Arbeiter des Bürgermeisteramtes mit seinen neuen Motorsensen das Gras mäht und die Steine fliegen. Mal fliegen sie in ein Auto, beim nächsten Mal einem an den Kopf? Aber dann heißt es nur: Tja, falta de educacion...
      der dumme Arbeiter. Und dem in die Tasche zu greifen ist wohl ein sinnloses Unterfangen. Aber wieso keine Firmenhaftpflicht???
      Es geht alles seinen karibischen Gang...
      Teilweise sind die Leute auch aus Unwissenheit und Traegheit selbst schuld, wenn die Faelle so wie beschrieben ausgehen.

      Vor einigen Jahren wurde mein Schwager in Bavaro beim Fischen trotz Sicherungsboje von einem Motorboot ueberfahren und war durch seine Verletzungen und den Blutverlust kurz vor dem Exitus.

      Der Bootsfuehrer war ein US-Amerikaner, der erst durch massive und durchaus ernstzunehmende Drohungen meiner Frau davon ueberzeugt werden, dass es fuer ihn gesuender sei, die Krankenhauskosten zu uebernehmen.

      Er hat wirklich gut daran getan, sich letztendlich mit ihr ins private Krankenhaus zu begeben, und durch seine Unterschrift die Kostenuebernahme zu bestaetigen und auch entsprechende Anzahlungen zu leisten.

      Nach bereits erfolgter letzter Oelung hat Schwager zum Glueck aufgrund seiner robusten Gesundheit noch die Kurve gekriegt, was selbst die Aerzte nicht ernsthaft erwartet hatten und lebt heute noch einem dicken Nagel im Bein, der ihm irgendwann vermutlich noch mal Probleme bereiten wird.

      Auf unseren dringenden Rat, wegen Schadensersatz (auch wir haben fuer ca. 1.000,- Euro Blutkonserven bezahlt, damit er ueberhaupt eine Chance hatte, den Unfall zu ueberleben), Verdienstausfall (er konnte monatelang nicht mehr ins Wasser, um seinen Job als Harpunenfischer nachgehen zu koennen) und Schmerzensgeld Klage einzureichen bzw. wenigstens mal einen Rechtsanwalt zu konsultieren kam unverstaendlicherweise gar nichts.

      Man hatte ja ueberlebt, und das war das Wichtigste.