Tierische Karibik

      Tierische Karibik



      Safari durch die Nationalparks, Baden im Wasserfall statt im Meer: Die Dominikanische Republik bietet mehr als Strandurlaub

      Es gibt Situationen in der Dominikanischen Republik, da traut man seinen Augen nicht. Denn vieles hält man in diesem Land für möglich, das mit jährlich über drei Millionen Touristen die meisten Besucher in der Karibik beherbergt, nur so etwas nicht: dass keine zehn Meter vom Touristen-Boot entfernt ein fast fünf Meter langes Krokodil im Wasser schwimmt. Kein dressiertes, das, wie man denken könnte, gleich aus dem Wasser schnellen und eine Pirouette drehen wird, sondern ein wildes auf Futtersuche.

      Dabei kommt das sogar ziemlich häufig vor. Zumal der Ausflug zum Lago Enriquillo, einem See in der Dominikanischen Republik, in dem heute wieder rund 500 Spitzkrokodile leben, in den meisten All-inclusive-Hotels des Landes angeboten wird, die wiederum über 60 Prozent aller vorhandenen Herbergen ausmachen. Wobei die Teilnehmer die mindestens fünfstündige Anfahrt schon gerne deshalb auf sich nehmen, um genau das zu erleben: den Unterschied von dressierter Tierwelt, wie sie vor der Hoteltür in Freizeitparks serviert wird, zu "echter" dominikanischer Wildnis. Viele haben dann oft ihre Mühe mit der Wirklichkeit.

      Ziel der Bootsfahrt ist fast immer die zum Nationalpark erklärte Isla Cabritos im See. Auf dem staubtrockenen, mit Dornenbüschen und Kandelaber-Kakteen bewachsenen Sandfleck leben weitere Reptilienraritäten: der rotäugige Ricord-Leguan und der Nashornleguan, beides beeindruckende Lebewesen mit dicker Lederhaut, bis zu 1,20 Meter lang und von massiger Gestalt. In den Zoos werden sie gern als kleine Drachen zur Schau gestellt. In der Dominikanischen Republik aber sind sie heimisch, und ihr Bestand hat sich, wie bei den Krokodilen, zumindest in ihrem Schutzgebiet wieder erholt.

      Vor rund 15 Jahren war die Situation noch ganz anders. Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) fanden Anfang der Neunziger am Enriquillo-See Knochen von gewilderten Krokodilen.

      Zählungen ergaben einen Bestandsschwund von rund zwei Dritteln. Auch Riesenleguane, von jeher einer begehrten Suppeneinlage, schienen nahezu verschwunden.

      Damals begannen der DED und nationale Schutzorganisationen, vor allem die Nationalparkbehörde und der Zoo von Santo Domingo, mit der Erarbeitung und Umsetzung von Sofortprogrammen zum Schutz dieser und anderer Tiere und von mehr Umweltkontrolle in den 15 Naturreservaten, 19 Nationalparks und den übrigen 52 Schutzzonen.




      Im Jahr 2000 wurde dann ein Umweltministerium eingerichtet und bald mit anderen karibischen und internationalen Naturschutzorganisationen vernetzt. Arten wurden gezählt, katalogisiert, die heimische Statistik mit denen der Nachbarn verglichen, und Erstaunliches kam zutage: Die biologische Vielfalt in der Dominikanischen Republik ist die größte in der Karibik.

      Anders konnte es kaum kommen. Bringt doch ein abwechslungsreiches Oberflächenprofil von Natur aus jede Menge unterschiedlicher Ökosysteme hervor und somit auch eine vielfältige Vegetation und Tierwelt. Nirgendwo sonst auf den Antillen gibt es so viele mächtige Kordilleren wie in der Dominikanischen Republik. Mit Hochebenen, Einbruchtälern und dem 3085 Meter hohen Pico Duarte, mit Gebirgsquellen, Canyons und Wasserfällen.

      Auch das flache, heiße Land, die "tierra caliente", die unterschiedlichsten Lebensräume - von der Dornbuschsavanne im Nationalpark Montecristi bis zum Regenwald im Karstgebirge des Nationalparks Los Haïtises. Nicht zu vergessen die Lagunen und Kanäle mit ihren Seegraswiesen für karibische Seekühe im Nationalpark Lagunas Redonda y Limón bei Miches oder die Seesterngründe, Riffe und Inseln im Nationalpark del Este bei Bayahib.

      Besonders viele verschiedene Lebensräume konzentrieren sich auf den Südwesten der Republik. Die dünn besiedelte Region, einst ein Teil Haitis und traditionell das Armenhaus des Landes, beginnt im Norden mit dem 40 Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Enriquillo-See in der gleichnamigen Senke, einem ehemaligen Meeresarm. Fossilien säumen die Straße um den See. Man muss nur anhalten und am Straßenrand danach schauen.

      Südlich steigt die Halbinsel Baoruco steil bis 2367 Meter Höhe aus dem Meer, teils vulkanisch, teils uraltes Kordillerengestein, durch tektonische Bewegungen vor Jahrmillionen so durcheinander gerüttelt, dass sich Lava mit anderem Gestein vermischte und beim Erkalten blau färbte. So entstand der einzig im Südwesten der Dominikanischen Republik vorkommende Schmuckstein Larimar. Zusammen mit dem sehr klaren dominikanischen Bernstein ernährt er seit Jahren die Kunsthandwerker.

      Im Nationalpark Baoruco und dem südlich anschließenden Jaragua-Nationalpark leben 99 Prozent aller heimischen Vögel: vom kleinen Schmalschnabeltodi bis zum Smaragdkolibri und dem Hispaniola-Papagei. Im Jaragua-Nationalpark tupfen Florida-Flamingos die Laguna Oviedo rosa, und an einsamen Stränden legen die selten gewordenen Carey-Schildkröten noch ihre Eier ab. Auf der vorgelagerten Isla Beata entdeckte man sogar 2001 die kleinste Eidechse der Welt, die nur 16 Millimeter lange Salamanquejita.

      2002 fruchteten die langjährigen Bemühungen der Umweltschutzorganisationen: Der ganze Südwesten vom Enriquillo-See bis zur Isla Beata, 4858 Quadratkilometer groß, wurde Unesco-Biosphärengebiet. Ökotourismus soll seither Geld in die Kassen der traditionell wirtschaftlich schwachen Region bringen und den Bestand des Biosphärenreservats sichern. Auch in den anderen Schutzgebieten hat man für Naturtouristen neue Anreize geschaffen, wie zum Beispiel einen Wanderpfad im Nationalpark Los Haïtises.

      Noch allerdings nutzen solche Angebote vorwiegend die Einheimischen. Ausländische Urlauber ziehen gemütliche Boots- oder Safariwagenfahrten mit gelegentlichen Ausstiegen vor. "Die durch den Regenwald wandern oder auf Berge steigen wollen", meint der Inhaber einer Reiseagentur in Punta Cana, "das sind eher die Exoten unter den All-inclusive-Urlaubern."

      Wenig besucht sind deshalb viele Besucherzentren in den Nationalparks. Während sich die jungen Männer, die in Schulungen ihre Reiseführerausweise erwarben, Domino spielend die Zeit vertreiben, regeneriert sich die Natur weiter. Zur Freude der wohl seltensten Spezies in der Dominikanischen Republik: des Individualurlaubers.

      Allein den Anblick der größten Säugetiere muss er dann aber mit schaulustigen Pauschalurlaubern teilen. Denn die von Januar bis März in der Samaná-Bucht und an der Banco de la Plata im Norden sich paarenden Buckelwale sind - ähnlich wie die Krokodile am Enriquillo-See - sichere Lockmittel für alle Touristen.

      Unterkunft: Die Agencia Eco-Tour ( www.ecotour-repdom.com) bietet Safari-Touren an, zum Beispiel mit drei Übernachtungen im "Hotel Casablanca" ab 410 US-Dollar an. Ökolodge "Paraíso Caño Hondo" ( www.paraisocanohondo .com, DZ ab 74 Dollar), "Hotel La Cueva" ( www.lacuevalimon.com, DZ ab 40 Dollar).

      Auskunft: Fremdenverkehrsamt der Dominikanischen Republik,
      www.godominicanrepublic.com





      Quelle: www.welt.de