FRANKREICH und TRUJILLO: Mumie an Bord

      FRANKREICH und TRUJILLO: Mumie an Bord

      Ein interessanter Bericht vom DER SPIEGEL 51/1961


      Der Disput in der Zollhalle des Pariser Flugplatzes Orly ging um eine große Kiste aus Mahagoniholz.

      Exzellenz Carlos Rosenberg, Sonderbotschafter der Dominikanischen Republik, versicherte den französischen Zollbeamten erregt, die von einer Chartermaschine der Pan American World Airways nach Paris geflogene Kiste enthalte einen Sarg mit dem einbalsamierten Leichnam des im Mai ermordeten Rafael Leónidas Trujillo sen., ehedem "Vater des Vaterlands" seiner westindischen Inselheimat.

      Frankreichs Zöllner verlangten, getreu dem Reglement, drei Papiere zu sehen:

      - die Sterbe-Urkunde,
      eine Bescheinigung über Seuchenfreiheit,

      - die Genehmigung der Französischen Botschaft in Santo Domingo, die Leiche des Nichtfranzosen Rafael Leónidas Trujillo nach Frankreich zu verfrachten.

      Mit keinem dieser Papiere konnte Rosenberg aufwarten. So wurde die Kiste zunächst in der Leichenhalle des Flugplatzgebäudes abgestellt.

      Erst zwei Tage später, als die Dokumente vorlagen und Sonderbotschafter Rosenberg in Gegenwart eines Offiziers der französischen Luftpolizei den Sarginhalt als Leichnam des Rafael Leónidas Trujillo sen. identifiziert hatte, gaben Frankreichs Behörden die sterblichen Überreste des Mannes frei, der 31 Jahre lang die Dominikanische Republik als absoluter Herrscher grausam regiert und den Inselstaat in ein Familien-Unternehmen der Trujillos verwandelt hatte

      Doch nur drei Mitglieder des Trujillo -Clans waren zugegen, als der Postmortem-Emigrant in der vergangenen Woche auf dem Pariser Friedhof "Père -Lachaise" beigesetzt wurde: Witwe Dona Maria, 59, Sohn Rafael Leónidas ("Ramfis"), 32, als Oberbefehlshaber der dominikanischen Streitkräfte für wenige Monate Erbe der väterlichen Macht, und Sohn Neti, 29. Die übrigen Trujillos erholten sich, an anderen bevorzugten Emigrationsorten von den Strapazen der Vertreibung aus dem gelobten Trujillo-Land.
      Diese Emigration war in der zweiten Novemberhälfte von den Trujillo-müden Dominikanern mit nachdrücklicher Hilfe der USA erzwungen worden, denn die Ermordung des alten Diktators hatte der Inselrepublik keineswegs den von Washington erhofften demokratischen Frühling gebracht.
      Zwar bemühte sich Staatspräsident Dr. Joaquin Balaguer um einige bescheidene Reformen. Aber Rafael Leónidas Trujillo junior, der Playboy -Sohn des toten Despoten, sorgte mit seiner 100 000-Mann-Armee dafür, daß die von Rafael Leónidas Trujillo senior geschaffene Wirtschaftsstruktur des Landes nicht angetastet wurde. Alle profitträchtigen Unternehmen, von der Zuckerfabrik bis zum Bordell, blieben im Besitz der Trujillo-Familie.

      Dennoch hatten zwei nach den, Bermudas emigrierte Brüder des ermordeten Diktators, General Hector Bienvenido Trujillo und Generalleutnant Jose Arismendi Trujillo, das Gefühl, der junge Statthalter des Trujillo-Clans lasse die Zügel allzusehr schleifen. In goldstrotzenden Uniformen kehrten sie in die Inselheimat zurück, um die unbotmäßigen Dominikaner abermals in strenge Zucht zu nehmen.

      Präsident Balaguer kabelte einen Hilferuf nach Washington. Mehrere US -Kriegsschiffe nahmen Kurs auf die Dominikanische Republik, und 1800 Marine-Infanteristen schickten sich an, notfalls die - inzwischen von Ciudad Trujillo in Santo Domingo zurückbenannte - Hauptstadt zu besetzen.

      Angesichts der amerikanischen Kriegsschiffe beschränkten sich die Trujillo -Erben darauf, rasch noch einige bisher nicht ins Ausland transferierte Vermögenswerte zusammenzuraffen:

      - Rafael Leónidas Trujillo junior überwies 200 Millionen Dollar (800 Millionen Mark) auf europäische und nordamerikanische Banken;

      - Jose Arismendi Trujillo entzog der dominikanischen Staatsbank sieben Millionen Dollar;

      - Hector Bienvenido Trujillo deponierte auf der Familienjacht "Angelita" 90 Millionen Dollar, die jedoch von der Balaguer-Polizei noch sichergestellt werden konnten.

      Der in "patriotischem Geist" als Oberbefehlshaber zurückgetretene Clan -Chef Rafael Leónidas Trujillo junior reiste an Bord der Luxusjacht "Angelita" nach Europa; die übrigen Trujillos charterten eine Verkehrsmaschine zum Flug nach Florida.

      Bei der Landung in Fort Lauderdale präsentierten sich 29 dominikanische Emigranten, die den Namen Trujillo trugen oder vom Trujillo-Regime zu auffällig profitiert hatten, der US-Einwanderungsbehörde - unter ihnen Dona Julia Molina Trujillo, die 96jährige Mutter des ermordeten Diktators.

      Während weiße, schwarze und braune Bürger Santo Domingos lärmend das Ende der Trujillo-Zeit feierten, verließ der tote Diktator als letzter seines Namens, insgeheim in eine Mahagoni -Kiste verpackt, den tropischen Inselstaat: Die Trujillos wollten verhindern, daß die undankbaren Dominikaner den einstigen "Vater des Vaterlands" schändeten.

      230 000 Neue Franc (185 000 Mark) - für eine Grabstätte auf dem renommierten Pariser Friedhof "Père-Lachaise" - investierte der Trujillo-Clan in den Nachruhm des Despoten, der seinen Erben runde zwei Milliarden Mark hinterlassen hat.


      Vielen Dank an den Spiegel für die Erlaubnis der Veröffentlichung!

      Fotos: das Grabmal Trujillo auf dem Pére - Lachaise in Paris bis 1969


      ..seit 1969 Cementerio de El Pardo, nähe Madrid, zusammen mit seinem Sohn Ranfis, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

      Luxusyacht "Angelita"

      Ein sehr interessanter Bericht. Habe 3 Jahre der Trujillo Ära selbst miterlebt. Besten Dank an El.loco!
      Ja, und diese seinerzeit vom Trujillo Clan genutzte Yacht "Angelita" schippert seit 2001 als "Sea Cloud" über die Weltmeere. (Näheres nachzulesen unter Wikipedia).